Die Jury

Aus den zahlreichen Essayeinsendungen wird die die internationale Wettbewerbsjury pro Land 3 Gewinner*innen küren, die am 11. Dezember 2021 im Rahmen einer öffentlichen Preisverleihung und Lesung im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig mit einem Preisgeld ausgezeichnet werden.

Deutsche Juror*innen:

Foto: © Gaby Waldek

Constanze John lebt als freie Schriftstellerin in Leipzig, wenn sie nicht gerade in der Welt unterwegs ist, um darüber zu schreiben. Die Trägerin des renommierten Seume-Literaturpreises veröffentlichte bei DuMont Reise nach „40 Tage Armenien“ und „40 Tage Georgien“ zuletzt „40 Tage Aserbaidschan“. Sie arbeitet u.a. für DLF, DR Kultur und MDR, schreibt für Oper und Theater und wird nicht zuletzt für ihre langjährige Literaturarbeit mit Kindern und Jugendlichen geschätzt.

Freiheit bedeutet für mich, meine individuellen wie auch weltläufigen Lebensaufgaben erfüllen zu können.“

Europa ist Idee, geografische Gegebenheit sowie politische Einheit.“


Hassan Soilihi Mzé ist Leiter der Programmsachbearbeitung in der Kulturstiftung des Bundes. Von Hause aus Bibliothekar, Historiker und Germanist, der insbesondere zur Instrumentalisierung von Bibliotheken im Nationalsozialismus und der DDR forscht, veröffentlichte er neben wissenschaftlichen und kulturpolitischen Beiträgen seit seiner Jugend auch Kurz- und Lyrikprosa in verschiedenen Anthologien.

Freiheit bedeutet für mich Glück und Geschenk, Anfechtung und Herausforderung gleichermaßen – vor allem aber eine ständige Nichtselbstverständlichkeit, die ich jeder und jedem gönne, zu entdecken, zu lieben und zu schützen.“

Europa ist möglicherweise eine junge Frau, die auf einem Stier durch die regulierte Reihenhaussiedlung reitet – für mich aber zuallererst eine hervorragende Gelegenheit, gute Nachbarschaft zu üben.“

Polnische Juroren:

Radosław Wiśniewski – „Ich beschäftige mich mit dem Schreiben und Lesen. Manchmal verliere ich die Klarheit, welcher dieser beiden Prozesse den anderen spiegelt oder ob beide eine Spiegelung von etwas anderem sind.
Sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen vertraue ich vor allem dem Konkreten statt einer Idee. Ich schenke mehr Vertrauen dem Menschen und seiner individuellen Geschichte als einem distanzierten Urteil von Historikern und Soziologen. Ob in Prosa, Poesie, einem Essay oder wenn ich beim Lesen und Schreiben über diese Gattungen hinausblicke – nach dem Konkreten suche ich stetig.“

Freiheit bedeutet für mich immer häufiger vor allem die Befreiung von den eigenen Erwartungen und Ambitionen. Erst so werden die wahre Freiheit des Ausdruckes und die Freude am Abenteuer des Lebens erreicht.

Europa, das ist so ein Ort auf der Erde, an dem die Gleichwertigkeit des Verhältnisses von Individuum und Obrigkeit sowie von Mensch und Gesellschaft so transparent erscheint wie die Luft zum Atmen. Mit anderen Worten: Europa ist für mich der Atem.

Wojciech Koryciński, polnischer Schriftsteller, Literaturkritiker und Regionalist verfasste die Świdnica-Trilogie „Tajemnice ulicy Pańskiej“ (übers. Geheimnisse der Herrenstraße), erschienen im Jahr 2010, „Niebieskie Zakony“ (übers. Blaue Orden), erschienen im Jahr 2013 und Reges fugae (in Vorbereitung). Er ist Ideengeber und Mitveranstalter von Literaturveranstaltungen wie Świdnicer Literaturmittwoch (seit 2006), das Festival „Vier Elemente des Wortes“ (seit 2013) sowie Literaturschlachthof im Haus der Polnischen Kultur in Vilnius (2016-2017).

Freiheit bedeutet für mich das wertvollste aller Werte. Jede Generation sollte ihre Freiheit erlangen und nach dem Erlangen diese pflegen.

Europa ist… ein historischer und kultureller Palimpsest.

Tschechische Juror*innen

Ingeborg Fiala-Fürst ist Professorin an der Palacký Universität in Olomouc (Olmütz). Sie ist eine begeisterte Germanistin, die insbesondere zur Deutsch-Mährischen Literatur forscht und gemeinsam mit ihren Studenten Werke ans Licht bringt und auch ins Tschechische übersetzt, die sonst in Vergessenheit geraten würden. Ihre familiären Wurzeln in denen sich etwas vom Schlesischen, Deutschen, Polnischen und Jüdischen mischt machen sie zu einer Mustereuropäerin. Die Zeit der Wende verbrachte sie im Exil umso stärker ist aber ihre Bindung zu dieser besonderen Periode.

„‚Freiheit bedeutet für mich vor allem die Möglichkeit sich frei äußern zu können, frei denken: Offen sagen dürfen, was man denkt ohne sich umdrehen zu müssen und fürchten wer mithört und wer mich dafür denunziert, wer mich wie dafür bestraft, was ich gesagt habe.“

Europa, die Europäische Union, ist in meinen Augen die einzige Alternative zum Nationalismus, dieser (obwohl es vielleicht nicht gleich erkennbar ist) endet immer mit dem Morden; es ist die einzige Hüterin der europäischen Werte und die einzige Sicherung des europäischen Friedens.“

Professor Josef Jařab ist Professor für Anglistik und Amerikanistik an der Palacky Universität in Olmütz (Olomouc). Er war erster Rektor dieser Universität nach der samtenen Revolution, die er in Olomouc an der Universität auch persönlich mitgestaltete. Er war als Vortragender tätig an Harvard University oder an der Universität in Oregon.  Insgesamt acht Jahre übte er auch den Senatorenposten im tschechischen Parlament aus. Er publizierte zahlreiche Artikel zur amerikanischen Literatur und Poesie, besonders beschäftigte er sich mit der Afroamerikanischen Literatur.

Freiheit bedeutet für mich die Möglichkeit das zu werden, was man wirklich will.“

Europa ist für uns (für mich) die einzige Hoffnung aufs Überleben des Planeten.“

Foto © Lenka Hatasova

Kateřina Tučková ist Schriftstellerin, Dramatikerin und Publizistin. Sie studierte Kunstgeschichte und Bohemistik an der Masaryk Universität in Brünn (Brno). Während ihres Studiums ist sie ins Brünner Stadtviertel, das auch Brünner Bronx genannt wird. Aus diesem Stadtteil wurden 1945 alle deutschen Bewohner vertrieben bei sog. Brünner Todesmarsch. Diese Erfahrung inspirierte Tučková und sie schrieb das Buch über ein Mädchen aus einer deutsch-tschechischen Familie Die Vertreibung von Greta Schnirch (2009). Sie ist Preisträgerin verschiedener Literaturpreise u.a. Magnesia Litera Josef Škvorecký Preis oder Premio Libro d’Europa. Ihre Bücher wurden bereits in 16 Sprachen übersetzt.